Gedichte 

Wanne

Ich steckte meine alten Geliebten in die Wanne, wollte
auf einen Blick sehen, wen, all das, was ich


lieb hatte, am allermeisten oder weniger, vielleicht oder ganz fest, vorbehaltlos oder eher wenn-dann. In einer Wanne lang wie eine Galeere


das synchrone
einander Waschen der Rücken, ein jeder mit einem Stück Seife


blau geädert, danach gingen sie mit beinah blutig
aufgescheuerten Schultern


fort. Außer dem einen, Du, bei dem ich mich
Beine um Rumpf, einhakte, um gemeinsam


quer durch den anderen
das unerträgliche Abkühlen des Wassers abzuwarten.


übersetzt von Stefan Wieczorek



Schwimme
 
„Schwimmen ist ein zügelloses Schlafen im strampelnden Wasser“
PAUL SNOEK
 
 
Jeder Schwimmer schwimmt einen Schlafenden weiter
in dem anderen, düsteren Halbrund. Jedes Dahintreiben, jeder Kraulzug
 
erzeugt ein Gefühl von Schwerelosigkeit bei dem, der
eindöst, auf der anderen Weltseite. Jemand sagt nun bestimmt,
 
dass es immer viel mehr Schläfer gibt, als auf der wachen Seite
Schwimmer, dass das also nur funktioniert
 
wenn jeder, der tapfer durchs Wasser Furchen zieht, einen riesigen
imaginären Strauß mitschleppt aus Seitenschläfern,
 
Rückenliegern, Bauchdrehern. Irgendwo wird man also mit sehr
großem Respekt willkommen geheißen beim Vorzeigen dieser vollgestempelten
 
Schwimmkarte.
 
 
übersetzt von Stefan Wieczorek



Untreu
 
Ob du das danach des Feuerwerks
jemals sahst? Nicht die Funken, sondern die plüschigen Zweige,
 
Rauchstämme an genau der gleichen Stelle, an der eben noch
Raketen aufknallten. Der Luftwald, der dort nach dem Verlöschen
 
einige Sekunden für dich entsteht. Dieser Restwert, der
eigentlich größer ist als die gewünschte Herrlichkeit der
 
Farbfeuerspritzer. So ist auch, nach deinem Seufzen, dass
du mich trotz allem noch
 
lieb hast, was danach im Zimmer hängt auf eine durchdringende,
schreckliche, ungewollte Weise schöner: die Unwiederbringlichkeit
 
zwischen uns.


übersetzt von Stefan Wieczorek




Wände

 
Schränke bereitstellen jetzt für später. Links einen
Dielenschrank voller Partykram, wenn all unsere Pläne
 
vollbracht sind: Fächer voller Girlanden, Trüffelkaviar,
Champagner. Rechts in der Diele
Bretter voller Plaids, Absinth, grobgeraspelter Anis-
 
schokolade wenn alles durch Pech, Blödheit gescheitert
ist. Oft kriecht jeder von uns in ein unterstes Fach,
schreien wir einander durch die Wände alle
 
tausendsiebzig Dinge zu, die schief gehen können
bei der Durchführung unserer Pläne, zum Beispiel
der unwiderstehliche Drang, eines Nachts
 
loszustampfen, beide Möbel zu zerbrechen in einen Haufen
Holz für einen neuen Schrank, groß genug, dass wir beide
ganz einfach aneinander gelehnt
aufrecht stehen können.


übersetzt von Stefan Wieczorek



Reis

 
Bei Ärger vergrub ich meine Hand in einem Sack Reis
und schickte in einem Umschlag immer ein Korn
 
zurück zum Ursprung, zu einem Bauern in Angkor, der
seinerseits jedes Mal eine Murmel sandte bei unverhofftem
 
Glück, wenn ganz wunderbar ein Minensplitter nur den Fuß
seiner Frau zertrümmerte oder seine Ernte nicht verloren ging durch
 
einen Sturm. Das letzte Korn, das ich ihm schickte: um
Ostern, nachdem du und ich wieder Murmeln für einander
 
im Haus versteckt hatten statt
Eiern – wer seine alle in nur einem Tag fand, durfte
 
weggehen für immer ohne Vorwürfe – und du meine
kaum verborgen hattest, alle sieben neben der Sockelleiste, zum
 
Greifen.
 
 

übersetzt von Stefan Wieczorek


Ruth Lasters

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